Die Entstehungsgeschichte der Schützenvereine und Bruderschaften

Die Schützenvereine, Sportschützenvereine oder Schützenbruderschaften in ihrer heutigen Form entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die damaligen freiwilligen Heeresverbände in der Tradition des Lützowschen Freikorps hatten zunehmend ihre Bedeutung verloren. So wandelten sich die ehemals militärisch bzw. paramilitärisch organisierten Bürgerwehren zu mehr traditionsorientierten Vereinen. Ein wesentlicher Bestandteil war die Pflege der Tradition und des Brauchtums, was durch die Ausrichtung von Schützenfesten und Schützenumzügen zum Ausdruck kam.
Heute ist das Schützenfest ein Volksfest und zentraler Bestandteil sozialen und kulturellen Lebens vieler Städte und Gemeinden (zumindest sollte es das sein). Neben der Pflege der Tradition und des Brauchtums ist vor allem der Zusammenschluss und die Organisation von Schiesssportveranstaltungen ein Hauptanliegen von Schützenvereinen.
Die meisten sind heute reine Schiesssportvereine.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele Schützenvereine, mangels eigener Schützenhäuser, erst einmal als Saalschiessverein neu gegründet. Erst im Laufe der 60er-Jahre zogen diese vermehrt in eigene Schützenhäuser um. Die sportlichen Schützenvereine sind in Deutschland zusammengefasst in einem Kreis- oder Gauverband. Die Kreisverbände sind zusammengefasst in Regional- und Landesverbände und diese sind zusammengefasst im Deutschen Schützenbund.
Die historischen Schützenbruderschaften sind unter dem Schützenbund in Diözesan und Bezirksverbände aufgegliedert. Schützenvereine, die Mannschaften zu offiziellen Wettkämpfen nach dem Reglement des Deutschen Schützenbundes melden wollen, müssen als gemeinnütziger Verein (e.V.) im Vereinsregister eingetragen sein. Kurz vor Pfingsten beginnen in vielen Städten die Schützenfeste.
Doch die Schützenfeste haben gar keine so friedliche Abstammung, und es ging oft gar nicht so ruhig zu innerhalb der Schützengilden. Dieselben hingen eng mit der Machtentwicklung der Städte zusammen, deren Besatzung und Wehr die Bürger bildeten. Heute ist das ganz anders. Da schießen die Schützen anstatt wie früher nach dem Feind einmal im Jahr nach einem hölzernen Vogel, einem Gipsvogel oder nach einer Scheibe, während sie früher immer in Kampfbereitschaft sein mussten. Während die patrizischen Geschlechter Waffen und Rüstung der Ritter annahmen, wählten die Übrigen, nach Zünften und Stadtvierteln geordneten Bürger andere Waffen, vornehmlich Bogen und Armbrust, und zur Übung der wirksamen Führung derselben bildeten sich Schützenvereine, in der damals üblichen Form von Gilden. Diese Gilden hatten Schützenhäuser und Schiessbahnen, eine durch Beiträge und Vermächtnisse gegründete und unterhaltene Vereinskasse und hielten jedes Jahr Schützenfeste ab, welche für die Bürger bald dieselbe Bedeutung wie die Turniere für die Ritter gewannen.
Im 15. und 16. Jahrhundert war die Glanzzeit dieser Festlichkeiten und noch bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden sie mit großem Pomp gefeiert. Selbst Fürsten und Adelige hielten es nicht unter ihrer Würde, sich an den Festen zu beteiligen. Auf denselben wurden Bündnisse geschlossen und befestigt, so dass dieselben eine politische Bedeutung erhielten. Mit der Erfindung des Pulvers kam das Feuergewehr auf und die Handhabung der Waffen erfuhr eine Änderung. Doch die Schützenvereine behielten trotzdem ihre alten Rechte bei und haben sich erhalten bis auf den heutigen Tag, wo sie nur noch als Überbleibsel aus Mittelalter bestehen.
Heute ziehen in den Städten und Gemeinden die Schützen nur noch in friedlicher Absicht in ihren Uniformen auf. Während des Schützenfestes wird der er beste Schütze ermittelt. Dieser ist dann König und wird auf alle mögliche (und unmögliche) Weise gefeiert.